Die Fähigkeit, ehrliche erzgebirgische Mundarttexte in zeitgemäßer Form einem Publikum jenseits von "Kastelruther Spatzen", "de Randfichten" und dergleichen nahe zu bringen, zeichnet die Vier ebenso aus wie die Freude am spontanen, musikalischen Experiment mit ihrem ambivalenten Heimatgefühl. Das Publikum muss stets mit leiden, mit lachen und mit trinken.
„Raster assen“ mit den Krippelkiefern
Ein Eintopf schmeckt gewiss am besten, wenn er noch einmal aufgewärmt wurde. Besonders bei uns im Erzgebirge ist das „Raster assen“ eine gute alte Sitte, die nicht das mindeste mit schnöder Geizigkeit oder gar Armut zu tun hat. Vielmehr verweist sie auf den gesunden Appetit des Betreffenden und gilt zudem als probates Hausmittel gegen schleichende Verschwendungssucht.
Wenn de Krippelkiefern in diesem Jahr ganz herzlich zum „Raster assen“ in den Lokschuppen nach Schwarzenberg einladen, dann hat das ebenfalls nichts mit musikalischem Geiz oder kreativer Armut zu tun. Ganz im Gegenteil: sehr viel Neues, Interessantes und auch Umstrittenes ist in den letzten Jahren entstanden, ist gerade in Arbeit oder wird in naher Zukunft noch auf die treuen Fans der Bande wie ein erlösender Gewitterregen herniederprasseln. Doch neben all dem Neuen existierte schon immer ein geheimer „Wurzelextrakt“ als spiritueller Stimulator unseres Schaffens, der von den eingefleischten Kriki-Enthusiasten schon längst erahnt oder bereits erkannt wurde.
Lasst uns also in diesem Jahr einmal ganz bewusst „Back to the Roots“ schreiten, zurück zu den Wurzeln, aus denen sich die kernigen Krippelkiefernsprosse so fruchtbar entwickelten.
Die Entscheidung, dieses Mal verstärkt auch leise Töne zu setzen, erscheint uns um so notwendiger in einer Zeit, die von sprunghafter Hektik, von immer kürzer werdenden Verfallsdaten und von einer ausufernden Wegwerfmanie bestimmt wird—jedenfalls in den gesellschaftlichen Kreisen, in denen noch immer der Überfluss das Maß aller Dinge darstellt. De Krippelkiefern verweigern sich mit ihrem Entschluss auch nachdrücklich den Verführungen einer von Superlativen ins Grimassenhafte verzerrten Gesellschaft und stellen dieser unheilvollen Tendenz einen meditativen Akt der Rückbesinnung entgegen, der an eine bewusste Geschwindigkeitsdrosselung gekoppelt ist1.
Wir wollen die von Schrillheit und Aufdringlichkeit gespeisten Superhypermegastars, die schon morgen niemand mehr kennt, aber gerne in unsere frommen Gebete aufnehmen, auf dass auch sie den leuchtenden Pfad der Erkenntnis finden mögen, denn unser Schaffen lebt von unserem Herzblut, unserer Ehrlichkeit: „Bild dr nischt ei“, sang Anton Günther, der berühmteste erzgebirgische „Raster-Asser“, schon vor über achtzig Jahren. Ihm fühlen wir uns auch heute noch herzlich verbunden, als die einzigen wahren, besten und natürlich ehrlichsten Krippelkiefern des Erzgebirges.
Wir würden uns freuen, recht viele unserer alten Freunde und alle, die Lust verspüren, unsere Musik kennen zu lernen, zu unserem Liederabend begrüßen zu dürfen. Dr Dieter, is Annl, dr Neibert-Kurt, dr Ger und dr Klaus-Günther sowie einige weitere Überraschungsgäste wollen auch vorbei kommen und lassen euch einstweilen freundlich grüßen.
Also bis die Toch zum „Raster assen“ 2011 in Schwarzenberg.
Glückauf sagen Euch Allen
Sterni un „de Krippelkiefern“
1 Auf gut „Neudeutsch“ wir entschleunigen—zuweilen bremsen wir sogar!