Die Fähigkeit, ehrliche erzgebirgische Mundarttexte in zeitgemäßer Form einem Publikum jenseits von "Kastelruther Spatzen", "de Randfichten" und dergleichen nahe zu bringen, zeichnet die Vier ebenso aus wie die Freude am spontanen, musikalischen Experiment mit ihrem ambivalenten Heimatgefühl. Das Publikum muss stets mit leiden, mit lachen und mit trinken.
Zwei Konzerte in 24 Stunden sind für die Krippelkiefern ja nun nichts Ungewöhnliches, in diesem Zeitrahmen haben die Jungs auch schon mehr geschafft! Aber die 2 Konzerte haben bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen, weil sie nicht hätten unterschiedlicher sein können. Ich meine dabei speziell den Ort und das Publikum beim jeweiligen Konzert. Vorweg- Beide Konzerte waren geil und stimmungsmäßig vom Feinsten, aber darum geht es mir heute eigentlich gar nicht. Da ich immer noch unter dem Eindruck dieser beiden Events stehe, sind mir eigenartigerweise heute völlig andere Gedanken durch den Kopf „geschossen“. Warum verbringe ich eigentlich meine recht wenige Freizeit immer wieder bei Krippelkiefernkonzerten? In meinem doch schon weit fortgeschrittenem Alter fängt man ja an, sich Gedanken über seine Zeitplanung zu machen, weil rein statistisch Gevatter Tod schon mehr als die halbe Wegstrecke zu mir zurückgelegt hat. Die Antwort warum ich doch recht häufig meine Freizeit bei Kiefernkonzerten verbringe, und was mich an dieser Musik immer wieder fasziniert haben mir diese 2 Konzerte auch noch einmal klar vor Augen geführt. -Scheiße, ich merke gerade das wird heute sehr philosophisch, aber muss auch mal sein. Ja, um den Gedanken weiterzuführen, also Freitag relativ Großer Saal und ein wunderschön gemischtes Publikum, was das Alter betrifft. Am Samstag ein Konzert in einer sehr kleinen Location vor einem sehr jungem, alternativ denkendem Publikum. Die „Macher“ des „neuen Konsulat“ in Annaberg haben da etwas Schönes aufgebaut, was mich von der Idee her sehr angesprochen hat und was meine Hochachtung verdient. Eine „Trutzburg“ mitten im Erzgebirge, die einer überkommerziellen Gesellschafft, alternative Wege geht. – Und genau das ist es auch, was die Faszination „Krippelkiefern“ für mich ausmacht. Da ist die Musik, die ein Publikum aller Altersstrukturen anspricht und Generationsgrenzen verschwinden lässt und der Samstag hat mich wieder einmal an einen Ort geführt, den ich ohne die Krippelkiefern sicher nie in meinem Leben kennengelernt hätte. Das macht eben für mich die Spannung aus, wenn ich zu einem Konzert der Kiefern gehe. Ich weiß dass ich gute Musik zu hören bekomme, aber ich weiß nie genau was mich Ort erwartet. Und dann trifft man dort Menschen und Leute die die gleiche „Macke“ haben. Und mit diesen „Bekloppten“ verbringe ich gern meine wenige Freizeit.-
dor Harti