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Die Fähigkeit, ehrliche erzgebirgische Mundarttexte in zeitgemäßer Form einem Publikum jenseits von "Kastelruther Spatzen", "de Randfichten" und dergleichen nahe zu bringen, zeichnet die Vier ebenso aus wie die Freude am spontanen, musikalischen Experiment mit ihrem ambivalenten Heimatgefühl. Das Publikum muss stets mit leiden, mit lachen und mit trinken.

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Osterbotschaft der Krippelkiefern 2012

...vom außerordentlichen  Direktor für Propagandafragen und gewaltfreien Terror der KPdSU

(Krikikistische Partei der Sozial Unterdrückten)

 

Liebe Freunde der Krippelkiefern,

Leider hat das schlechte Wetter, das für die Osterfeiertage vorausgesagt wurde, mich daran gehindert, meiner Heimat einen persönlichen Besuch abzustatten. Tröstet euch also bitte damit, dass ab dem Frühjahr wieder eine Reihe von Krippelkiefernkonzerten angesagt ist und erkältet euch in der Zwischenzeit nicht, denn

„Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.“ (Rio Reiser).

Im Gegenteil: bleibt alle gesund und munter, denn die in diesem Jahr bevorstehende neue Krisenwelle wird das derzeit noch herrschende Weltkartell, bestehend aus finanziell ruiniertem Bankenkapital und den ihnen hörigen politischen und musikalischen Steigbügelhaltern, mit Gewißheit in den Abgrund reißen und den Krippelkiefern endlich zu ihrem verdienten Erfolg verhelfen.

 

Da das Osterfest gerade vor der Tür steht, wollen wir uns auch daran erinnern, dass vor fast 2000 Jahren nicht etwa der bunt bemalte Eier ausbrütende Osterhase als verbraucherfreundliches Konsum-Maskottchen geboren noch gesteinigt wurde. Nein, am Karfreitag vor kanpp 2000 Jahren wurde Jesus Christus von Nazareth von seinen Feinden ans Kreuz genagelt. Doch sollte der Stunde tiefster Trauer und Hoffnungslosigkeit für die Menschheit binnen zweier Tage das Osterfest, das Fest der Hoffnung und der Auferstehung, folgen. Wie Phönix aus der Asche erfolgte eine geistige Wiedergeburt unter einem leuchtenden Stern, wie Phönix aus der Asche wird auch bald eine wahrhaft gerechte Gesellschaft aus den Trümmern der am Boden liegenden dekadenten Weltherrschaftsordnung auferstehen, die der Menschheit ein Leben ohne Krieg und Hunger, ohne Ausbeuter und Kredithaie, ohne Börsenzocker und Pleitegeier, ermöglichen wird.

 

Gestattet mir an dieser Stelle, euch wenigstens ein kleines Beispiel zur Verlogenheit unserer gegenwärtigen Welt zu Gemüte zu führen - und vielleicht wissen es ja auch noch nicht alle:

Helmut Kohl wurde zum Kandidaten für den Friedennobelpreis 2012 vorgeschlagen. Das bedeutet wahrlich einen derben Schlag in das Gesicht eines jeden braven ehemaligen DDR-Bürgers, der 1989 den Mut besessen hat, auf die Straße zu gehen und für Freiheit und Demokratie zu demonstrieren. Natürlich stünde der Beinahe-Vorbestrafte[1] dann in einer langen strahlenden Reihe mit mehr und minder ehrenwerten Preisträgern, zu denen schon Massenmörder wie der ehemalige US-Außenminister Henry Kissenger oder korrupte Diktatoren wie Anwar al-Sadat gezählt haben. Nichts ist also in Oslo unmöglich!

Wir wollen unserem Ex-Bunzli- Kanzli aber beileibe nicht hier in aller Öffentlichkeit ungerechtfertigt Schmach zufügen. Denn wie ein jeder weiß, hatte der Angeklagte wahrlich nicht das mindeste mit dem Unrechtsstaat DDR sowie seiner vorzeitigen Beendigung durch seine Bürger am Hut. Als die Mauer fiel, zeigte er sich bekanntlich völlig konsterniert. Er befand sich nämlich gerade zu einem Staatsbesuch in der VR Polen, um sich dort mit Staatspräsident Ex-General Wojciech Jaruzelski und Mininsterpräsident Tadeusz Mazowiecki zu treffen, zufälligerweise genau zur selben Zeit, als sein späteres demokratisches Ziehkind Angela Merkel ihr Blauhemd bügelte und sich ernsthaft darüber Gedanken machte, wie sie es bewerkstelligen könnte, als Kandidatin der „Blockflöten“-Partei CDU in die Volkskammer gewählt zu werden. Schließlich fühlte sich Angie zu diesem Zeitpunkt immer noch als stolze, selbstbewußte, realsozialistische DDR-Bürgerin, hatte doch ihr Vater als politischer Flüchtling in den 1950er Jahren im Friedensstaat DDR Schutz vor den Machenschaften der imperialistischen Kriegstreiber in der BRD gesucht.

Doch zurück zum Friedensnobelpreis-Verleihungskomitee, dem ich hiermit einen konstruktiven Verbesserungsvorschlag erteilen möchte: Wäre es nicht viel besser, als alternativen Preis zum Friedensnobelpreis einen Kriegstreiber- und Kriegsverbrechter-Nobelpreis einzuführen. Als Trophäe halte ich eine Stange Dynamit für völlig ausreichend, mit der die Ehrenstätte, das Rathaus von Oslo– natürlich nach rechtzeitiger Räumung des Saales und der darin versammelten Claqueure durch die anwesenden Sicherheitskräfte des CIA – in die Luft gesprengt werden könnte. Diese Sprengung stellt natürlich nur einen symbolischen Akt dar, der die Notwendigkeit der Einsatzes von Bomben für den Aufbau einer weltweit funktionierenden demokratischen Ordnung unter US-Militärkontrolle klar vor Augen führen soll. Das Preisgeld des Nobelpreiskomitees, gesponsert von der internationalen Rüstungsindustrie, kommt natürlich nicht den ausgezeichneten Kriegsgewinnlern zugute, sondern wird auf ein spezielles Konto eingezahlt, das für die Dotierung eines ebenfalls neu zu schaffenden Architektur- und Rekonstruktions-Nobelpreis genutzt wird. Dem jeweils zurAuszeichnung gelangenden Architekten bzw. Bauunternehmer wird die ehrenvolle Aufgabe zuteil werden, binnen Jahresfrist ein neues Rathaus zu errichten, dass natürlich dem selben Endzweck, der In-die-Luft-Sprengung, dienen wird. Welch großartiges Feuerwerk zu Ehren unserer Wegwerfgesellschaft, mit dem zugleich der Verschwendungssucht und der brutalen globalen Rohstoffausbeutung ein alle Jahre wieder erneuertes Denkmal gesetzt werden wird, das von den zivilisatorischen Errungenschaften des imperialistischen Weltsystems künden wird.

Ich verlange energisch, dass als erste Preisträger des atomaren Kriegs-Nobelpreises George W. Bush jr. (sein früherer großartiger Gegenspieler Saddam Hussein musste leider schon frühzeitig aus dem Rüstungswettrennen entfernt werden, weil er sich des Betrugs, nämlich der Nichtproduktion einer Atombombe, schuldig gemacht hatte) und sein gegenwärtiger Hauptkontrahent, der Iraner Mahmud Ahmadinedschad, ausgezeichnet werden. Letzterer kommt für eine solche hohe Ehrung ganz besonders in Betracht, da er sich auch im Bereich des „Kampfes der Kulturen“ in der Vergangenheit hervorragend ausgezeichnet hat und in naher Zukunft ein großer Förderer des Uranbergbaus im Erzgebirge zu werden verspricht, wenn nämlich das von gewissen Wirtschaftskreisen prophezeite „dritte Berggeschrey“unserer erzgebirgischen Heimat den letzten öko-feindlichen Dolchstoß versetzen wird.

Für Helmut Kohl käme natürlich eine solche martiale Ehrung keinesfalls in Frage. Aber auch die demokratischen Fortschritte, die in den letzten Dekaden erzielt wurden und bei deren Durchsetzung der Angeklagte zufällig anwesend war, machen ihn kaum für eine Nominierung für den in seiner Bedeutung natürlich zukünftig wesentlich herabgestuften Friedens-Nobelpreis akzeptabel. Was spricht also noch für den Angeklagten?

Zugegebenermaßen wird heute politischen Flüchtlingen kaum noch in den Rücken geschossen. Dafür aber riskiert es schon lange kein vernünftiger Kapitän mehr, „boat people“ in Seenot an Bord zu nehmen, machte er sich dadurch doch als „Fluchthelfer“ strafbar und fügte damit der christlichen Seefahrerei unauslöschliche Schande zu.

Zugegebenermaßen verpasste der Angeklagte der sozialistischen Wirtschaft den Todesstoss, versäumte es aber, dem arbeitslos gewordenen Humankapital Arbeitsplätze in einer neu zu etablierenden Rüstungsindustrie zu verschaffen.

Zugegebenermaßen ließ er viele Milliarden Steuergelder in die neuen deutschen Bundesländer fließen, doch sollte nicht vergessen werden, dass der Großteil dieses Kapitals aus den Raubzügen der „Treuhandverbrecher“ stammte. Das an den Osten gezahlte Geld bestand also in Wahrheit aus geraubtem Eigentum, das zu Recht den zuvor Bestohlenen zurückgezahlt werden musste.

Ich halte also eine Nobelpreis-Ehrung für unseren Ex-Bundeskanzler zur Zeit noch für verfrüht. Lassen wir doch lieber erst noch etwas grünes Gras auf den ausgebrannten „blühenden Landschaften“ wachsen, die mit seiner aktiven Mithilfe zerstört wurden.

Kermit der Frosch und Miss Piggy aus der Muppetts-Show wären zur Zeit gewiss geeignetere Kandidaten für den Friedens-Nobelpreis, da sie gewiss schon viel mehr Menschen zum Lachen gebracht haben als der Angeklagte. Ich persönlich würde gerne Rotkäppchen und den Wulff vorschlagen. Ich meine damit natürlich die schaumgekrönte Lady von der Unstrut und das völlig zu Unrecht um Amt und Würden gebrachte deutsche Staatsoberhaupt, das den infamen SPD-gesteuerten Intrigen erst letztens  zum Opfer fiel. Die SPD sollte sich m.E. lieber um ihren Ex-Parteivorsitzenden Gerhard Schröder kümmern, der heute haufenweise Geld (oder besser formuliert Öl) scheffelt, natürlich nur zum Wohle unseres benzinsüchtigen Vaterlandes und seiner mageren Geldbörse.

 

Der Sterni ist durchgeknallt, der Mann gehört in die Klappsmühle, höre ich jetzt den Chor meiner Lieblingsfeinde und Verächter ausrufen. Soll der doch lieber wie früher lust'ge Lieder singen, sich aber gefälligst aus der „draackschen Politik“ heraushalten. Doch bekanntlich ist ja schon der Rauch aus den Schornsteinen ein wichtiger Bestandteil der so viel gescholtenen Politik. Heutzutage gibt es quasi kaum noch ein Fleckchen auf der Erde, das nicht unter den Folgen der falscher Politik zu leiden hat. Wir werden es uns also auch in Zukunft nicht verkneifen können noch verbieten lassen, unsere persönlichen Meinungen zur aktuellen Weltlage zum besten zu geben, sch.egal, wem das gefält oder auch nicht.

 

Nun endlich aber auch ein paar Worte zur krikikistischen Welt- und Wetterlage. Familiäre und private Verpflichtungen, persönliche Sorgen und diverse Verfolgungen zwingen uns leider dazu, in diesem Jahr auf unser Konzert im Schwarzenberger Lock-Schuppen zu verzichten. Wir möchten nämlich niemandem zumuten, unausgegorene oder gar bloß halbfertige Musikstücke anhören zu müssen. Liebe Feinde, bitte freut euch aber nicht zu früh, denn Totgesagte erfreuen sich gewöhnlich eines besonders langen und erfolgreichen Lebens. Das ist für ein zähes Gebirgsgewächs wie den Krippelkiefern allemal der Fall. Wie unsere Fans sicherlich schon längst wissen, sind wir gerade dabei, eine neue CD zu produzieren, die noch in diesem Jahr zur Veröffentlichung kommen wird. Es wird deshalb als Ersatz für den ausfallenden Lokschuppen eine großartige Adventstour geben, zu der ihr hiermit alle herzlich eingeladen seid.

Was die neue CD betrifft, so wird diese auch einige Lehrstücke im Brecht'schen Sinne enthalten, wie mit traditionellem Musikgut verantwortungsvoll umgegangen werden sollte. Wir unterhalten uns hier natürlich nicht über satirische Persiflagen, die durchaus eine künstlerische Berechtigung haben, sondern über musikalische Bomberpiloten, die sich nicht davor scheuen, volkskundlich interessante, überlieferte Texte zu einem Einheitsbrei der Verblödung zu zerschneddern. Ich spreche von den selbst gekürten „Herren der Fliegen“, die seit geraumer Zeit wieder den Äther verschmutzen. Doch genug des leidigen Themas. Wünschen wir lieber den indirekt Angesprochenen eine medienträchtige Fahrt auf Niels' Mini-Eisenbahn in Steinbach.

Eine kleine Meldung noch zum Schluss, die dem einen zur Freude, dem anderen zum Horror gereichen wird. Hiermit möchte ich meinen schon lange geplanten, wegen widriger Umstände immer wieder verzögerten Umzug aus dem Urstromtal Berlin ankündigen. Aus taktischen Gründen habe ich Chemnitz zu meinem neuen Lebenszentrum erkoren. Damit werde ich meinen erzgebirgischen Lebens- und LeidensgenossInnen entscheidend näher auf die Pelle rücken können. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese wichtige Entscheidung meinen Lebensmut entscheidend aufleben lassen wird. Ob natürlich die Chemnitzer Bettelvögte des im Sterben begriffenen Sozialstaates genauso erbaut über meinen Zuzug sein werden, darüber getraue ich mir an dieser Stelle keine Vermutungen abzugeben.

 

Wir wünschen allen unseren Krippelkiefernfreunden ein gesegnetes Osterfest und freuen uns schon mächtig auf die nächsten Konzerte im Gebirg.

 

Urbi et Orbi, Corpus et Gorbi.

 

Glückauf

 

Sterni und de Kriki-Bande

 



[1]          Das Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Untreue gegen Helmu Kohl wurde bekanntlich 2001 wegen geringer Schuld und der Zahlung einer Geldbuße von 300 000 DM durch den Angeklagten, natürlich absetzbar von der Steuer, aus politischen Gründen eingestellt.

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